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33 gedichte über kunst oder leben [buchschwarz s 7387 auf freelife vellum white, 2007/8]
Sascha Anderson (reihe black paperhouse, Band 8)
„DA IST … [die] dreiunddreißig [neuen] Gedichte [S. Andersons] über Kunst oder Leben“ entziehen sich jedwedem Blick in den affirmativen, vom Begehren angehauchten Spiegel. Vom Nicht-Sein und nicht von der Verallgemeinerung zurück auf die Bedeutungsträger zielend, vertrauen die 439 Verse [1. inklusive Leerzeilen, 2. ihrerseits quellenkundig und 3. offensichtlich „objet sonore“] der gesprochenen, autobiografisch gebrochenen Stimme mehr als jedem laut-malerisch schriftgestützten Anspruch. „Die Kunst ist zu einer vom Bild maskierten Metapher verkommen und reproduziert sich kapitalträchtig als Garantiebescheinigung in den Schubladen des Lebens“, sagt Anderson; dann beginnt „Da ist …“, dann öffnet es uns den void-gesättigten, zuspruchslosen Raum – den der Ent-täuschung –, dann schließt es ab mit einer Öffentlichkeit der Kunst, die ohne ihre okkupative Inszenierung nichts wäre, als das, was jemand nicht für sie bezahlt, um schließlich, wie jede gute Kunst, vor uns zu liegen als traurig radikales Angebot einer aus der Chronologie gefetzten Partiture trouvé. (C. T.)
DA IST … Gedruckt auf Freelife Vellum White von Fedrigoni Mit gefaltetem Plakatumschlag und einem Korrekturvorschlag 48 Seiten, br., 18 x 14,5 cm, dt., Euro 11,00 ISBN 978-3-936826-45-6 © gutleut verlag 2008
Beispieltext:
V
Ich mache mir nicht Deine Gedanken, also mach Du Dir nicht die meinen. Sicher ist, daß ich oft an das, was Du denkst, denke. Das ist viel und unter Umständen, die ich nie und nimmer [selbst Dir gegenüber nicht] öffentlich machen würde, alles. Nur die wirklich großen und unüberschaubaren Schleifen des Lebens [Verzeih …] haben damit zu tun, wie ich Dich sehe. Und verzeih mir, daß mir, was ich sehe, egal ist …
daß ich die Moral und eines der Rotdornblätter meines Herbariums in einem Satz unterbringe, daß ich der Kunst nichts abgewinne und aus diesem Grund gern ins Theater gehe, daß die Zeit vorbei ist, in der ich immer, wenn ich mich gelben Telefonzellen näherte, pissen mußte. Daß ich mich wiederhole, als wäre ich nur ich selbst, und einschlafe, wenn ich müde bin, nichts als unendlich müde, müde wie die Toten, wenn sie im Kreis gehn.
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